Tag 1 (10.03.2016)

Nach problemloser Anreise über Mexico City holte mich mein einheimischer Begleiter Sr. Otto Arenales von der Kindernothilfe Guatemala vom Flughafen in Guatemala City ab. Es war meine 15. Projektreise seit Gründung von La Sonrisa mit Sr. Otto Edvin Arenales aus Chimaltenango, mit dem ich freundschaftlich verbunden bin und der für die Hilfstätigkeit von La Sonrisa in Guatemala unschätzbar wertvolle Dienste leistet. Er koordiniert nicht nur die Projektreisen und führt uns sicher auch durch gefährliche Gegenden von Guatemala, sondern ist stets ein kluger und einfühlsamer Ratgeber im Umgang mit den indigenas. Dies hat ganz wesentlich dazu beigetragen, dass unsere Stiftung in den entlegenen Regionen von Guatemala Hilfsprojekte für Kinder und Jugendliche verwirklichen kann und auch in oftmals noch sehr traditionsbewussten und gegenüber Fremden sehr misstrauischen Dorfgemeinschaften stets willkommen ist.
Bei der anschließenden Besprechung im Büro unseres Partners Fundación Agros in Guatemala City war die gesamte Führungsspitze von Agros anwesend. Das Gespräch mit den Verantwortlichen von Agros war intensiv und teilweise kontrovers, wir konnten aber eine Grundlage für die weitere Zusammenarbeit in der Ixil-Region (u.a. Schuleinrichtungen mit Internat Casa Angela in Sumalito) und hinsichtlich des Stipendienprogramms UVG in Sololá finden.
Nach dem Gespräch bei Agros besuchten wir die Asociación Dejando una Sonrisa (ADUS) in Jocotenango. Der Projektbesuch diente der „Evaluierung“ des präventiven Straßenkinderprojekts von ADUS, nachdem der Stiftungsrat von La Sonrisa die Förderung des Projekts beschlossen hatte. In dem Projekt wird von drei sehr engagierten Mitarbeiterinnen versucht, Kindern aus sozial schwierigen Familienverhältnissen durch Bildung und Vermittlung einfacher handwerklicher Fähigkeiten eine Zukunftschance zu geben, sie vor allem aber vom Einfluss gewalttätiger Jugendbanden fernzuhalten. Gegenwärtig besuchen mehr als 60 Kinder im Alter von 6-16 Jahren (etwa die Hälfte Mädchen) die kleine Einrichtung von ADUS in einem Problemviertel von Jocotenango, das von Jugendbanden bedroht wird.
Die Einrichtung von ADUS macht einen sehr guten Eindruck. Mit relativ geringen finanziellen Mitteln und großem persönlichen Engagement werden viele Aktionen mit den Kindern und Jugendlichen durchgeführt. Geöffnet ist die Einrichtung von Montag bis Freitag ganztägig (vormittags vor allem für arbeitslose Jugendliche, nachmittags für Kinder, die wenigstens teilweise noch zur Schule gehen), meist werden aber auch am Wochenende noch Aktionen mit den Kindern und Eltern durchgeführt. Das Projekt von ADUS ist nach meinem Eindruck uneingeschränkt förderungswürdig.
An Abend des 1. Besuchstags hatte ich den Deutschland-Repräsentanten der Asociación „Amigos para las Escuelas Ixiles“ (APEI) zum Abendessen in das Hotel Soleil in Antigua eingeladen. Herr Müller, der in Wuppertal wohnhaft und auch Internationaler Koordinator von APEI ist und gerade seine Projektreise für APEI in Guatemala beendet hatte, wurde von zwei Mitarbeiterinnen von APEI begleitet. Ziel des Gesprächs war es, die Möglichkeiten einer Kooperation zwischen La Sonrisa und APEI zu erörtern. APEI hat in den letzten 20 Jahren in abgelegenen Bergdörfern der Ixil-Region 16 Grundschulen errichtet. Zwischenzeitlich sind 12 Grundschulen in staatliche Trägerschaft übergegangen, so dass APEI derzeit noch 4 Grundschulen selbst betreibt. Nach dem Abschluss der Grundschule (i.d.R. im Alter von 11-12 Jahren) bietet APEI keine Weiter- oder Ausbildungsmöglichkeiten an. APEI hatte ich mit der Bitte um Unterstützung bei der Weiterbildung von Schülern an die Deutsche Botschaft in Guatemala gewandt, die den Kontakt mit unserer Stiftung vermittelte. Das Petitum von APEI ist, Schüler von APEI-Schulen nach Abschluss der Grundschule in Weiterbildungseinrichtungen unserer Stiftung (auf Kosten von La Sonrisa) unterzubringen.
In unserer Stiftung besteht Einvernehmen, dass eine Aufnahme von Schulkindern aus APEI-Grundschulen in Bildungseinrichtungen von La Sonrisa auch aus Kostengründen nur im Rahmen einer Kooperationsvereinbarung in Betracht kommt, in der sich APEI zu kompensatorischen Betreuungsleitungen für La Sonrisa-Projekte in der Region Ixil verpflichtet. Im Vorgriff auf eine Kooperationsvereinbarung habe ich im Hinblick auf das Ende Januar beginnende neue Schuljahr in Guatemala dann Anfang Februar 2016 mit Herrn Müller (APEI) und Agros vereinbart, dass drei Kinder aus Nuevo Amanacer (bei täglicher Rückkehr nach Hause) auf Kosten von La Sonrisa unsere Sekundarschule in Sumalito besuchen dürfen und vier Kinder/Jugendliche von APEI aus der rd. 40 km entfernten Region Chajul im Centro Ixil in Nebaj untergebracht werden können.
Hinsichtlich der Förderungswürdigkeit der Unterstützung von Kindern und Jugendlichen von APEI ist zu berücksichtigen, dass die Kinder/Jugendlichen aus weit abgelegenen Bergdörfern der Region Chajul kommen und schon auf dem Fußmarsch nach Chajul ständig Übergriffen und Überfällen ausgesetzt sind. Mit dem kostenpflichtigen Besuch (Kosten von mehr als 1.000 € jährlich je Kind einschließlich Unterbringung in Gastfamilien) der Kinder/Jugendlichen von APEI sichert unsere Stiftung auch die Existenz des Centro Ixil. Dies kann aber nur ein positiver Nebeneffekt und nicht die Zielsetzung für unsere Hilfstätigkeit in Guatemala sein. Der Schulbesuch von Kindern aus Nuevo Amanacer (täglicher Fußmarsch ca. 3 Stunden) in unserer Sekundarschule in Sumalito ist bei Kosten von je ca. 200 € jährlich dagegen weniger problematisch.

Tag 2 (11.3.2016)

Vor meiner Abreise hatte ich mit der Deutschen Botschaft in Guatemala ein Gespräch vereinbart, um Möglichkeiten der Unterstützung unserer Hilfstätigkeit in Guatemala seitens der Deutschen Botschaft zu erörtern. Das Gespräch fand auf Wunsch der Deutschen Botschaft am 11.3. morgens in Antigua statt. Das Gespräch mit Frau Tina Musstopf von der Deutschen Botschaft und Herrn Müller von APEI war insofern zielführend, als Frau Musstopf auf ein von der EU finanziertes neues Bildungsprogramm hinwies (Sanierung und Neubau von Schulräumen), für das sich auch La Sonrisa bewerben könnte. Hinweis: Unsere Bewerbung war erfolgreich, La Sonrisa hat im Juli 2016 einen großzügigen Zuschuss der Deutschen Botschaft i.H.v. 15.000 € für den Bau von neuen Schulräumen in Viaculvitz erhalten.
Anschließend an das Gespräch mit Frau Musstopf wurde zunächst das Projekt Casa del Niño in Jocotenango besucht. Unsere Stiftung hat dort im Jahr 2013 eine Grundschule für Kinder aus armen Bauernfamilien errichtet. Die Schule ist jetzt staatlich anerkannt und wird von mehr als 100 Kindern besucht (mit steigender Tendenz). Eine sehr gute Investition unserer Stiftung. Folgekosten entstehen für La Sonrisa nicht.
Zum Projekt Casa del Niño gehört auch die Finca Santa Barbara, in der praktische Berufsausbildungskurse (vor allem Schreinerei und Schmiedekunst) angeboten und durchgeführt werden. Wir haben das Berufsausbildungsprojekt und die Schreinerausbildung besucht. Unsere Stiftung wurde um Unterstützung beim weiteren Ausbau der Werkstätten gebeten. Die Vorstellungen von Casa del Niño sind allerdings völlig unrealistisch und müssen grundlegend revidiert werden.
Anschließend fuhren wir zur Waisenhauseinrichtung von Nuestros Pequenos Hermanos/NPH (deutsche Repräsentanz in Karlsruhe) in Parramos, in der wir eine gemeinschaftliche Berufsausbildung von NPH und Fidesma Apoyos fördern. In Anwesenheit von Sra. Caté (Fidesma) wurde mit dem Leiter von NPH Parramos und mehreren Mitarbeitern der Förderantrag für 2016 besprochen.
Der Leiter von NPH führt uns durch die Einrichtung und die Werkstätten, in denen gerade Jugendliche aus dem von uns geförderten Berufsausbildungsprogramm eine praktische Ausbildung in der Schreinerei und Bäckerei erhielten unter Anleitung von NPH-Meistern und Instruktoren der staatlichen Ausbildungseinrichtung Intecap.
Das Projekt „Gemeinsame Berufsausbildung NPH/Fidesma“ ist uneingeschränkt förderungswürdig und sollte weiter gefördert werden. NPH Guatemala hat sich auch definitiv bereit erklärt, La Sonrisa in Guatemala bei den Straßenkinderprojekten in San Miguel Petapa (ACEDIF) und in Jocotenango (ADUS) zu helfen.

Tag 3 (12.3.2016)

Am Samstag erfolgte die landschaftlich sehr schöne (mit Sonnenaufgang am Vulkan Tajamulco), aber auch sehr gefährliche Reise durch ein berüchtigtes Drogenanbaugebiet zum Radioschulfunk-Projekt in Tacana in der Provinz San Marcos. Unsere Stiftung fördert dieses Projekt (Montag bis Freitag Unterricht per Radiofunk durch Radio Asunción, samstags Unterricht in dezentralen Bildungsstätten) seit 2010. Unsere Stiftung hat von 2011 bis 2015 mit erheblichem Kostenaufwandzusätzlich die Zahl der Wochenendbildungsstätten von 4 auf 17 erhöht (zuletzt in Los Andes), weil zunächst viele Frauen und Mädchen auf dem Weg zu den weit entfernten Bildungsstätten überfallen und vergewaltigt worden waren.
Mein Besuch diente zunächst der Evaluierung des Radioschulfunk-Projekts, nachdem sich unsere Stiftung im Rahmen einer neuen Kooperationsvereinbarung mit der Kindernothilfe Duisburg e.V. (KNH) verpflichtet hat, das Projekt bis zum 31.12.2017 (Ende der Projektförderung seitens KNH) weiterhin mit rd. 45% der Gesamtkosten zu unterstützen. Wir besuchten den Wochenendunterricht in einem kleinen Ort mit dem schönen Namen „Buenavista“. Beeindruckend waren wieder die Lernbegeisterung der Programmteilnehmer im Alter von 6-30 Jahren und die große Dankbarkeit gegenüber La Sonrisa für die Ermöglichung der einmaligen Bildungschance. Dies kam auch in den Berichten von Absolventen des Programms zum Ausdruck, die eine qualifizierte Arbeitsmöglichkeit in der Region gefunden haben. Authentisch, emotional und mit herzlicher Dankbarkeit berichteten sie von der Hoffnungslosigkeit in der Zeit vor der Schulbildung, dem Wert des Schulfunkprogramms sowie der Chance, Arbeit zu finden und in der Heimatregion bleiben zu können. Sie sprachen offen aus, dass ihnen ohne das Schulfunkprogramm wohl nur die Migration in die USA oder ein Leben als Wanderarbeiter geblieben wäre. Sehr positiv auch, dass sie die aktuellen Programmteilnehmer motivierten, nicht aufzugeben und den Schulabschluss zu erreichen.
Die einstimmige Entscheidung des Stiftungsrats, das Radio-Schulfunkprogramm weiterhin zu fördern, hat sich als richtig erwiesen. Auf die Zeit nach Ende der gemeinsamen Projektförderung mit der Kindernothilfe Duisburg (KNH) angesprochen, habe ich den Projektverantwortlichen dringend empfohlen, rechtzeitig die Finanzierung zu sichern. Ich habe erklärt, dass La Sonrisa ab 2018 keinesfalls den ausfallenden KNH-Anteil übernehmen könne, unabhängig von der vom Stiftungsrat zu treffenden Entscheidung, ob das Projekt ab 2018 von La Sonrisa überhaupt noch weiter gefördert werden kann.
Wesentlicher Bestandteil meines Besuchs in Tacana war die Einschätzung der Förderungswürdigkeit eines neuen Gemeinwesenprojekts der Kindernothilfe (Projekt 80044) mit dem Namen „Niños y niñas nacimos para ser feliz“ (Jungen und Mädchen werden geboren um glücklich zu sein). Nach der Projektbeschreibung von KNH handelt es sich um ein Gemeinwesenprojekt mit vorrangigen Elementen des Kinderrechtsschutzes und der frühkindlichen Entwicklung verbunden mit einer „durchgängigen“ Erziehungs-/Bildungskomponente. Konkrete Bestandteile sollen Gesundheit und Ernährungssicherheit, ganzheitlicher Kinderschutz, frühkindliche Entwicklung i.S.v. Stärkung des Kinderrechtsbewusstseins, der Gehirnentwicklung, des Sprach- und Kommunikationsvermögens bei unter 3jährigen Kindern, Organisation und Teilhabe i.S.v. Einwirkung auf staatliche Träger zur Sensibilisierung der Thematik „Kinderrechte“ und „gewaltfreie Erziehung“, aber auch Ausbildungslehrgänge zu „Führungskompetenzen“ von Lehrern und Schuldirektoren sein. Unsere Stiftung hatte KNH von Anfang an darauf hingewiesen, dass La Sonrisa aus satzungsrechtlichen und gemeinnützigkeitsrechtlichen Gründen nur Projekte fördern kann, die ausschließlich der „Erziehung, Volks- und Berufsbildung einschließlich der Studentenhilfe“ dienen.
Wir besuchten zur „Evaluierung“ den Ort Chemealon, in dem das Gemeinwesenprojekt, das kleinere Orte im Umkreis von 30 km von Tacana umfassen soll, im Oktober 2015 gestartet wurde. Im Gegensatz zum Radioschulfunkprojekt gibt es im Zielgebiet des Gemeinwesenprojekts Grundschulen. Unser Besuch führte uns deshalb in die Grundschule von Chemealon, wo wir von vielen Schulkindern im Alter von 6-11 Jahren sehr freundlich und begeistert empfangen wurden. Nach feierlichem Empfang mit den Nationalhymnen von Guatemala und Deutschland und vielen Reden wurde ich dann mit den aktuellen Problem vor Ort konfrontiert. Marode Dächer auf dem Schulgebäude, katastrophale Sanitäreinrichtungen, einsturzgefährdetes Gebäude für pre-primaria (Vorschule). In Gesprächen mit den Projektverantwortlichen wurde dann die Zielsetzung und Durchführung des Projekts „Frühkindliche Erziehung und Bildung“ deutlicher, so dass die Förderungswürdigkeit seitens La Sonrisa gegeben ist. In der neuen Kooperationsvereinbarung zwischen KNH und La Sonrisa wurde festgelegt, dass KNH jährlich nachweisen muss, welche Erziehungs-und Bildungskomponenten (frühkindliche Bildung, Schulung von Lehrern, Betreuern, Ausbildern, Sanierung von Schulräumen) mit dem Förderbetrag von La Sonrisa konkret verwirklicht werden.
Die Rückfahrt nach Chichicastenango dauerte wieder mehr als 8 Stunden. Waren es im letzten Jahr die schlechten Wetterverhältnisse, so ließen uns in diesem Jahr katastrophale Straßenverhältnisse, zahlreiche private/kommunale Mautstellen und eine Militäraktion im Drogenanbaugebiet von Tajamulco mit intensivster Auto- und Personenkontrolle fast verzweifeln. Aber Otto Arenales ist eben el mejor guia y amigo del mundo.

Tag 4 (13.3.2016)

Der Markt in Chichicastenango ist immer einen Besuch wert. Es war eigentlich wie immer, Touristen auf den Stufen der heiligen Kirche, Taschen- und Geldbörsendiebstähle (diesmal nicht bei mir) sowie ungezählte Möglichkeiten des Erwerbs von mascaras, Geschenken und Dingen, die man eigentlich nicht braucht. Aber wieder ein Hotel, das den Namen verdient (Hotel Mayann Inn, recuerdo an meinen ersten Besuch in Guatemala vor fast 40 Jahren).
Nach dreistündiger Fahrt mit traditioneller Einkehr in der cantina tipica „Tres Estrellas“ (3 Sterne, aber nur dem Namen nach) in Sacapulas erreichten wir am Nachmittag Nebaj. Mein Patenkind Juana aus Sumalito, inzwischen 19 Jahre alt, selbstbewusst, intelligent, sehr attraktiv, zeigt mir die Stadt, in der sie erfolgreich studiert und nächstes Jahr den Studienabschluss machen wird.

Tag 5 (14.3.2016)

Von 7:00 h bis 18:00 h Besuch von Ixtupil und Viaculvitz (Gemeinwesenprojekte der Kindernothilfe, in denen unsere Stiftung in den letzten Jahren neue Schulräume errichtet hat) sowie Besuch unserer Schuleinrichtungen mit Internat Casa Angela in Sumalito.
Durch die Einweihung von 3 neuen Schulräumen in Caserio Union Ixtupil und im Hauptort Ixtupil (ca. 45 km und 3,5 Autostunden von Nebaj entfernt) im Jahr 2015 konnte die Schulraumsituation in Ixtupil entscheidend verbessert werden. Es wurden drei große, helle und standfeste Schulräume geschaffen. Die Bevölkerung von Ixtupil ist besonders arm, aber sehr freundlich und dankbar für unsere Hilfe. Bei meinem Besuch wollte ich mich vergewissern, ob sich die Bildungssituation durch die von uns im letzten Jahr geschaffenen neuen Schulräume verbessert hat. Dies kann uneingeschränkt bejaht werden. Die Kinder sind begeistert von den funktionsgerechten, hellen und schönen Schulräumen. La Sonrisa wurde wiederum sehr herzlich für die Hilfe gedankt.
KNH wird die Gemeinwesen-Projektförderung in Ixtupil nach genau 5 Jahren im August 2016 beenden. Als Außenstehender habe ich den Eindruck, dass der bleibende Wert für die Dorfgemeinschaft die von unserer Stiftung errichteten Schulräume sind.
In Ixtupil konnte ich auch wieder erfolgreich für den Besuch unserer Schuleinrichtungen und des Internats Casa Angela werben, schon jetzt kommt eine große Zahl von Mädchen aus Ixtupil in unser Internat nach Sumalito. In Gesprächen mit Eltern (mit freundlicher Übersetzung in Ixil-Maya durch die junge Elena) war deutlich die Bereitschaft spürbar, den Kindern die Zukunftschance in Sumalito zu ermöglichen. Insgesamt ist die Förderung von Ixtupil für La Sonrisa ein großer Gewinn.
KNH wird auch die Förderung des Gemeinwesenprojekts im ca. 6 km von Ixtupil entfernten Viaculvitz nach 5 Jahren Laufzeit im August 2016 beenden. Nachdem KNH in Viaculvitz einen besonders starken Kinder- und Frauenrechtsansatz verfolgt hat, war unsere Stiftung nicht Projektpartner und konnte im Rahmen eines Sonderbudjets im Jahr 2013 lediglich einen freistehenden neuen Schulraum errichten. Beim eher zufälligen Besuch der Grundschule in Viaculvitz wurde ich vom Bürgermeister und Schuldirektor sofort in die alten Schulräume gebeten (die in einem elenden Zustand sind) und von den Kindern freundlich empfangen. Anschließend wurden mir eine Förderbitte für den Neubau von 4 Schulräumen übergeben. Ich konnte keinerlei Förderzusage geben, habe aber eine wohlwollende Prüfung zugesagt. Hinweis: Durch den großzügigen Zuschuss der Deutschen Botschaft (vgl. Tag 2), Eigenleistungen der Comunidad und einem vom Stiftungsrat von La Sonrisa bewilligten außerplanmäßigen Ausgabe können die neuen Schulräume noch dieses Jahr gebaut werden.
In Viaculvitz wohnt auch Cecilia, inzwischen 18 Jahre alt. Cecilia hat eine traurige Lebensgeschichte, ihre Mutter ist früh verstorben, danach wurde Cecilia von ihrem Vater misshandelt und missbraucht. Auch bei ihrer Stiefmutter und ihren beiden geistig behinderten älteren Geschwistern findet Cecilia keine menschliche Unterstützung. Der Versuch, Cecilia in unserem Internat Casa Angela in Sumalito und dann im Centro Ixil in Nebaj unterzubringen, ist gescheitert. Die traumatisierte Cecilia fand keinen Halt im Leben. Bei meiner Projektreise im März 2015 konnte ich in einer denkwürdigen Aktion auf dem Dorfplatz von Viaculvitz unter Vermittlung des Dorfältesten mit dem Vater von Cecilia eine Vereinbarung treffen, dass Cecilia fortan unbehelligt in der Hütte der Familie leben kann. Gleichzeitig hatte ich veranlasst, dass Cecilia einen Webstuhl und eine Schulung für Webarbeiten durch Agros sowie einige Haus-/Nutztiere erhielt.
Bei meinem diesjährigen Besuch war Cecilia schon viel aufgeschlossener und selbstbewusster. Sie zeigte mir stolz ihren kleinen Webstuhl und die Nutztiere. Sie hatte auch gerade in der Hütte der Familie am Straßenrand einen kleinen Laden (Tienda Cecilia) eröffnet, in dem sie Getränke und Süßigkeiten verkaufen und so zum Lebensunterhalt der Familie beitragen will. Ich war wohl der erste Kunde, was mir ermöglicht hat, für ein ausreichendes Startkapital zu sorgen. Mit Cecilia sind wir dann ins Zentrum von Viaculvitz gegangen (was mir auch den Besuch der Grundschule einbrachte), wo Cecilia unter Anleitung einer Mitarbeiterin von Agros und Instruktoren von Intecap auf professionellen Webstühlen das Weben lernt. Agros war auch bereit, Cecilia weiterhin für Webarbeiten auszubilden, was ich gerne akzeptiert habe. Ich glaube, Cecilia hat ihren Weg in das Leben gefunden, zum Abschied hat sie sogar ein wenig gelächelt.
Am frühen Nachmittag besuchten wir das Internat Casa Angela in Sumalito. Wie in den Vorjahren ein besonders erfreuliches Erlebnis und ein Höhepunkt der Projektreise. Im Internat sind derzeit 16 Mädchen und 12 Jungen untergebracht. Die vorwiegend jüngeren Mädchen (12-14 Jahre) sind sehr freundlich, zugänglich und schon sehr selbstbewusst. Da fiel es mir leicht, einige Wünsche der Mädchen zu erfüllen. Neben zusätzlichen Büchern für die Bibliothek lag den Mädchen vor allem eines am Herzen. Agros hat, ohne uns zu fragen, den Transport zu den Heimatdörfern auf eine Hin-/Rückfahrt pro Monat gekürzt. Dies erfolgte entgegen den getroffenen Vereinbarungen angeblich aus Kostengründen ohne unser Wissen (und Wollen). Ich habe veranlasst, dass ab April 2016 wieder 2 Hin-/Rückfahrten zu den Heimatdörfern monatlich erfolgen. Das Internat Casa Angela ist ein echter Gewinn auch für das Ansehen unserer Stiftung in der Ixil-Region und sollte das Kern-/Herzstück unserer Hilfstätigkeit bleiben.

Tag 6 (15.3.2016)

Morgens wurde das Ausbildungszentrum Centro Ixil von Agros in Nebaj/Ortsteil Paraiso besucht. Unsere Stiftung hat das Centro Ixil als „Berufsausbildungseinrichtung“ in 2012/2013 mit einem hohen Kostenaufwand für Agros errichtet. Das Centro Ixil hat immer noch Anlaufschwierigkeiten und bietet derzeit im Wesentlichen nur einen bachillerato-Schulabschluss an. Ergänzend werden praktische Ausbildungskurse in der vorhandenen Schreinerei, herreria (Schmiedekunst) und panaderia (Bäckerei) sowie für Web-/Textilarbeiten und Pflanzen-/Tierzucht durchgeführt. Ab 2017 soll die staatliche Anerkennung als Berufsausbildungseinrichtung dann vorliegen und den Absolventen des bachillerato-Jahrgangs dann eine praktische Berufsausbildung ermöglichen. Dies würde dann auch ermöglichen, Jugendlichen aus Sumalito nach Abschluss unserer Sekundarschule eine vollständige praktische Berufsausbildung anzubieten, was unserer Zielsetzung seit Errichtung des Centro Ixil entsprechen würde. Eine positive Entwicklung hat das Centro Ixil allerdings als Entwicklungs-, Anzucht- und Ausbildungszentrum für die Kaffeeproduktion in der Ixil-Region genommen, z.B. hinsichtlich der Anzucht und Verteilung pilzresistenter Kaffeepflanzen. Derzeit erhalten im Centro Ixil 38 Jugendliche eine Ausbildung, davon vier Jugendliche von APEI auf Kosten von La Sonrisa.
Anschließend habe ich den Leiter des Centro Ixil (Sr. Diego Bernal von Agros) gebeten, mit mir eine von der Pilzkrankheit befallene Kaffeeplantage zu besuchen. Ich wollte mir ein eigenes Bild von der Notwendigkeit eines Forschungsprogramms gegen die Pilzkrankheit „La Roya“ machen. Nach dem Besuch in dem kleinen Ort Xeucalvitz in der Nähe von Sumalito ist die Notwendigkeit der Ausdehnung des bisher begrenzten Forschungsprogramms der GIZ auf die Ixil-Region offenkundig. Die Kaffeesträucher haben durch Pilzbefall kaum mehr Blätter, so dass die Früchte vertrocknen. Der Ernteausfall beträgt dieses Jahr mehr als 70% und bedroht die Existenz der campesinos in der Region. Dies wirkt sich auch zunehmend auf den Unterrichtsbesuch in unseren Schuleinrichtungen aus. Die Väter schicken ihre Kinder nicht mehr in die Schulen und das Internat Casa Angela, die Jungs werden als Erntearbeiter an die Pazifikküste geschickt, die Mädchen möglichst frühzeitig verheiratet. Migration in die USA ist zunehmend die Verheißung.
Mit der Unterstützung und Ausdehnung des Forschungsprogramms der GIZ gegen die Pilzkrankheit „La Roya“ würde unsere Stiftung nicht nur wirkungsvoll den Dorfgemeinschaften helfen, sondern auch die Existenz unserer Schuleinrichtungen mit Internat Casa Angela in Sumalito sichern. Hinweis: Das Forschungsprogramm konnte inzwischen fest vereinbart werden.
Ein weiterer Höhepunkt meiner Projektreise war der Besuch der Studenten aus Sumalito in Sololá. Seit Februar 2014 können Absolventen unserer Sekundarschule und des Internats Casa Angela in Sumalito im Rahmen eines Stipendienprogramms an der renommierten Universidad del Valle in Sololá studieren. Wir wurden von der Universitätsleitung und mehreren Professoren sowie den Studenten herzlich empfangen und über das Studium, die begleitenden sonstigen Aktivitäten sowie die Eindrücke und Probleme der Studenten in einem rd. einstündigen Gespräch mit Videofilmen umfassend informiert. Das Studium umfasst zunächst ein zweijähriges Grundstudium mit Bachelor-Abschluss mit Schwerpunkt Mathematik, Spanisch (was den Studenten aus Sumalito Probleme bereitet, weil dort nur Ixil-Maya gesprochen wird und die Kinder erst in der Schule Spanisch lernen), Landwirtschaft, Naturwissenschaften, Wirtschaft und Tourismus. In der Regel schließt sich ein 2–5 jähriges Spezialstudium in 8 verschiedenen Fachbereichen (Ingenieurwesen, Maschinenbau, Landwirtschaft, Naturwissenschaften, Tourismus, Wirtschaft, Accounting, corte confección Web- und Textilverarbeitung) an.
Das Stipendienprogramm hat sich leider nicht entsprechend unseren Zielvorstellungen entwickelt. Derzeit studieren 5 señoritas und 4 junge Männer in Sololá (bei 2 neuen Studentinnen ab Februar 2016), wir sind bei Beginn des Programms im Jahr 2014 von 6-8 Studienanwärtern pro Jahr ausgegangen. Als Gründe für den Verzicht auf die Studienmöglichkeit in Sololá werden die weite Entfernung zur Heimatregion, Anpassungsschwierigkeiten (vor allem der señoritas), wirtschaftliche Schwierigkeiten der Eltern und zunehmend (bei den jungen Männern) die beabsichtigte Migration in die USA angegeben. Angestrebt wird nach Angaben von Diego Bernal und der Tutorin unseres Internats in Sumalito (Maria Rodriguez) zunehmend auch ein Studium im ortsnahen Nebaj an den Universitäten Panamericana und San Carlos (angeblich breiteres Spektrum an Studienfächern). Im Zuge der Diskussion um die Auslastung bzw. Fortführung des Stipendienprogramms wurde deshalb von Diego Bernal ins Gespräch gebracht, neben dem Studium in Sololá auch Studienmöglichkeiten in Nebaj in das Stipendienprogramm aufzunehmen.
Ich halte diesen Vorschlag nicht für zielführend. Die Qualität eines Studiums in Nebaj ist nicht annähernd vergleichbar mit einem Studienabschluss an der renommierten Universidad del Valle (UVG) in Sololá. Die UVG gewährt uns Ermäßigung bei den Studiengebühren („dos por uno“), die Universitäten in Nebaj bisher strikt verweigern. Die Ausdehnung des Stipendienprogrammes auf Universitäten in Nebaj würde aufgrund der höheren Einzelkosten und einer wesentlich höheren Zahl von Studienanwärtern nicht nur zu unkalkulierbaren Gesamtkosten führen, sondern m.E. die Studentenzahl in Sololá auf den Nullpunkt zurückführen.
Ich habe die Studenten gebeten, in Sumalito und in ihren Heimatdörfern für das Studium in Sololá zu werben und habe außerdem angeregt, den Videofilm der Universität für Werbezwecke in der Ixil-Region zur Verfügung zu stellen. Insgesamt bin ich nach meinem Besuch zuversichtlich, dass wir für 2017 wieder ausreichend neue Studienanwärter(innen) haben werden.

Tag 7 (16.3.2016)

Ein Tag mit der Einweihung von drei Schulraumsanierungen und –neubauten in der Provinz Chimaltenango zur Beseitigung der Schäden nach zwei schweren Erdbeben in den Jahren 2013 und 2014 mit anschließenden Besprechungen bei Fidesma Apoyos wegen der weiteren Förderung der Kooperation bei der Berufsausbildung.
Mit dem Sanierungsprogramm für inzwischen 12 Schulen nach den schweren Erdbeben haben wird Großartiges geleistet. Unsere Stiftung hat in der Region San Andrés Itzapa/Chimaltenango einen hervorragenden Ruf. Die Bürgermeister von Itzapa waren bei allen Einweihungsfeiern anwesend und haben die besondere Bedeutung der Hilfe unserer Stiftung in einfühlsamen und eindrucksvollen Reden hervorgehoben.
Auch bei den diesjährigen Einweihungsfeiern wurde ich um weitere Hilfe gebeten. Ich habe gegenüber dem neuen Bürgermeister von San Andrés Itzapa zum Ausdruck gebracht, dass ich es für sinnvoller halten würde, anstelle der Bitte um Folge-Sanierung einzelner Schulen (jeweils nach den jährlichen Einweihungsfeiern) zunächst eine Bestandsaufnahme über den gesamten Sanierungsbedarf zu machen. Anhand einer Prioritätenliste könnte dann zwischen der Comunidad und La Sonrisa abgestimmt werden, welche Sanierungsmaßnahmen in den nächsten 3 Jahren nach Maßgabe vorhandener Mittel von La Sonrisa gefördert werden können, wobei ich einen Eigenbeitrag der Comunidad i.H.v. 30% – 50% unterstellt und gefordert habe.
Bei dem anschließenden Besuch bei Fidesma Apoyos ging es im Beisein von Vertretern von NPH Parramos um die Fortentwicklung der gemeinsamen Berufsausbildung. Die Berufsausbildung wird sowohl in Werkstätten von NPH in Parramos als auch bei Fidesma in San Andrés Itzapa durchgeführt. Auch Fidesma verfügt über einfache, aber zweckmäßig eingerichtete Werkstätten.
Instruktoren der staatlichen Berufsbildungseinrichtung Intecap demonstrierten die gemeinsame Berufsausbildung der Jugendlichen von NPH und Fidesma anhand der Herstellung von Brot und Kuchen mit den Jugendlichen. Anschließend wurde die Fortentwicklung der gemeinsamen Berufsausbildung mit NPH, Fidesma und den Vertretern von Intecap erörtert.

Tag 8 (17.3.2016)

Ein besonders schwieriger und für mich sehr emotionaler Tag mit dem Besuch unseres Straßenkinderprojekts in San Miguel Petapa.
Seit 2011 fördert unsere Stiftung ein Straßenkinderprojekt im Süden von Guatemala, im Ortsteil Cerro von San Miguel Petapa. Das Straßenkinderprojekt war in das KNH-Projekt ACEDIF („El buen semprador“, Der gute Sämann), eine Ganztagesschule im Zentrum von San Miguel Petapa integriert, allerdings nicht in das Patenschaftsprogramm von KNH einbezogen. D.h. die Straßenkinder erhielten von KNH keine Unterstützung, sondern mussten mit dem Auskommen, was unsere Stiftung leistete.
Nach Beendigung der Projektförderung mit mehr als 300 Patenschaften durch die Kindernothilfe zum 31.12.2015 war der Fortbestand des Trägers ACEDIF und des gesamten Projekts ernsthaft gefährdet, weil plötzlich eine hohe Finanzierungslücke jährlich bestand. ACEDIF hat zwar inzwischen die Fortführung des Schulbetriebs gesichert (unter erheblichen Einschränkungen des Leistungsumfangs). Dies gilt jedoch nicht für das Straßenkinderprojekt. Ohne die Hilfe von La Sonrisa wäre für die Straßenkinder bei ACEDIF kein Platz mehr gewesen, sie wären wieder schutzlos dem grausamen Leben auf der Straße ausgeliefert gewesen. Ich danke dem Stiftungsrat von La Sonrisa ausdrücklich und sehr herzlich dafür, dass er spontan und ohne die „Nachhaltigkeit“ kritisch zu hinterfragen, einstimmig ein umfassendes Sozial- und Bildungsprogramm für die Straßenkinder beschlossen hat, das den bisherigen Förderrahmen weit übersteigt.
Das neue Sozial- und Bildungsprogramm umfasst zunächst die Betreuung der Straßenkinder im gewalttätigen und von Jugendbanden beherrschten Ortsteil Cerro von San Miguel Petapa (Betreuungsstätte „Monte Sinai“). Darüber hinaus erhalten alle von unserer Stiftung betreuten Straßenkinder eine reguläre Grundschulausbildung (einschließlich Verpflegung) in der Schule von ACEDIF im Zentrum von San Miguel Petapa. Im Rahmen des Bildungsprogramms wird zusätzlich für die älteren niños y niñas en la calle in der Schule von ACEDIF eine praktische Berufsausbildung mit Instruktoren von Intecap in verschiedenen Ausbildungsberufen (Weben, Nähen, belleza, Bäckerei, Schmiedekunst, computación) angeboten.
Bei meinem Besuch war ich positiv überrascht, dass das neue Sozial- und Bildungsprogramm sehr schnell gewirkt hat. Die notwendigen Anschaffungen für soziale Zwecke und die Berufsausbildung sind erfolgt, die praktische Berufsausbildung ist in vollem Gange. Die Nachweise über die Verwendung der von La Sonrisa zur Verfügung gestellten 1. Förderrate waren lückenlos. Die praktische Berufsausbildung in der Schule von ACEDIF hat durch Vermittlung von Intecap auch bereits dazu geführt, dass 3 Mädchen und 2 Jungen in kleinen Betrieben (Schneiderei, Näherei, Salon de belleza) ein Berufspraktikum ggfs. mit Aussicht auf einen Ausbildungs-/Arbeitsplatz machen können. Für mich war der Besuch der ninos y ninas en la calle wieder ein sehr emotionales Erlebnis.
Die Dankbarkeit und das Vertrauen in unsere Stiftung von Kindern und Jugendlichen, die sonst nach den grausamen Gesetzen der Straße leben und niemandem trauen, beeindrucken mich immer wieder ebenso wie die Bereitschaft zu einem offenen, persönlichen Gespräch. Wir dürfen das Vertrauen der niños y niñas en la calle nicht enttäuschen, denn sie sind umgeben von unvorstellbarer Gewalt. Die Mädchen haben mir berichtet, dass sie nicht nur nachts in der Jugendbande, sondern auch auf dem Weg zur Schule von ACEDIF im Zentrum von San Miguel Petapa stets sexuellen Übergriffen ausgesetzt sind.
Am Nachmittag konnte ich bei einem Gespräch mit dem Direktor der GIZ Guatemala (Herrn Harald Himsel), seinem „Kaffee-Experten“ (Sr. Freddy Gonzales) und Prof. Cesar Garcia von der Universidad San Carlos in Guatemala City (der das Forschungsprogramm der GIZ wissenschaftlich leitet) verbindlich vereinbaren, dass das Forschungsprogramm der GIZ zur Bekämpfung der Pilzkrankheit „La Roya“ an Kaffeepflanzen auf die Ixil-Region ausgedehnt und Herr Prof. Dr. Planz von der Universität Tübingen an der Forschung offiziell beteiligt wird.

Tag 9 (18.3.2016)

An diesem Tag wollte ich auf Bitten von ADUS ein Straßenkinderprojekt im Süden von Guatemala besuchen mit dem Ziel einer evtl. Förderung durch La Sonrisa. Der Projektbesuch (ohne Otto Arenales) war schlecht vorbereitet, eine Förderung durch La Sonrisa kommt jedenfalls vorläufig nicht in Betracht. Aber: Der Besuch in Monterico war auch der emotionale Tiefpunkt meiner Reise. Die Gegend ist sehr arm und rückständig, die Kindersterblichkeit erschreckend hoch. Drei Trauerzüge durch die Dörfer innerhalb einer Stunde, weiße Bündel über dem Kopf, die zu Grabe getragen wurden. Wieder sind kleine Kinder, meist von Müttern, die eigentlich selbst noch Kinder sind, an Unterernährung und wegen fehlender medizinischer Hilfe gestorben. Und wir konnten ihnen nicht helfen.

Fazit

Die Projektreise war, soweit sie die Fördertätigkeit unsere Stiftung betrifft, letztlich erfolgreich. Im Erziehungs- und Bildungsbereich hat unsere Stiftung in Guatemala einen sehr guten Ruf erworben. Unsere Schuleinrichtungen in der Ixil-Region mit Sekundarschule und Internat Casa Angela in Sumalito sind vorbildlich und können wie das erfolgreiche Radioschulfunkprojekt in Tacana zumindest bis Ende 2017 mit den bisherigen Projektträgern Agros Stiftung bzw. KNH/PEASM/ASEDI fortgeführt werden. Die Schwierigkeiten beim Stipendienprogramm für ein Studium an der renommierten Universidad del Valle können überwunden werden, wenn wir die Wertigkeit dieses Studiums in der Ixil-Region noch deutlicher bewusst machen und unsere Zielvorgaben konsequent weiterverfolgen. Auch mit unseren anderen Bildungsmaßnahmen wie der Sanierung von Grundschulen nach schweren Erdbeben in Chimaltenango und der Unterstützung der Bildungseinrichtungen von Pater Gempp im entlegenen Santa Maria Cahabon hat unsere Stiftung großes Renommee erworben.
Der Bereich der beruflichen Aus- und Weiterbildung hat sich – mit Ausnahme des Centro Ixil in Nebaj – sehr positiv entwickelt. Die gemeinsame Berufsausbildung von Jugendlichen durch die Waisenhauseinrichtung NPH Parramos und Fidesma Apoyos in San Sandrés Itzapa wird jetzt von der staatlichen Bildungseinrichtung Intecap unterstützt und ist sehr erfolgreich. Mit der Vermittlung praktischer handwerklicher Kenntnisse für Straßenkinder in der Schule von ACEDIF in San Miguel Petapa haben wir neue Wege in der Berufsausbildung von Jugendlichen bestritten. Die ersten Erfahrungen sind vielversprechend.
Mit dem Forschungsprogramm gegen die Pilzkrankheit „La Roya“ an Kaffeepflanzen helfen wir wirksam den Dorfgemeinschaften in der Ixil-Region, die wirtschaftliche Existenz zu sichern und können die Migration in die USA vermindern.
Besonders wichtig und erfreulich ist, dass es Stiftungsrat und Vorstand von La Sonrisa in enger Verbundenheit gelungen ist, das Straßenkinderprojekt in San Miguel Petapa nach der Beendigung der Projektförderung seitens KNH fortzuführen und die von uns betreuten Straßenkinder nicht wieder dem traurigen Schicksal eines Lebens auf der Straße auszuliefern. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit und doch ein wunderbares gemeinsames Zeichen von Menschlichkeit, so wie ich mir La Sonrisa wünsche.
Köngen, 07. April 2016

Peter Wochinger
(Vorstand)