Projektreise Guatemala im März 2015 mit Rück- und Ausblick

Bei einer mehrwöchigen Projektreise des Vorstands im März 2015 wurden mit Ausnahme der Bildungseinrichtungen des Dominikanerpaters Cristóbal Gempp im Urwaldgebiet des Petén alle derzeitigen Hilfsprojekte der Stiftung La Sonrisa de los Niños besucht, sieben neue Schulräume eingeweiht, zwei neue Projektanträge vor Ort geprüft und wichtige Gespräche mit der Deutschen Botschaft in Guatemala City sowie unseren Kooperationspartnern Kindernothilfe (KNH), Fundación Agros Guatemala (Agros), Fidesma Apoyos (Fidesma) und Nuestros Pequeños Hermanos (NPH) geführt. Der nachfolgende Bericht ermöglicht auch Einblicke in die „Historie“ unserer gemeinnützigen Stiftung sowie in unsere Zielvorstellungen und zeigt die gegenwärtigen Probleme auf.

Gespräch in der Deutschen Botschaft in Guatemala City

Auf Einladung der Deutschen Botschaft führte der Vorstand ein sehr konstruktives  Gespräch mit Vertretern der Deutschen Botschaft und der GIZ. Wesentlicher Inhalt waren Fragen der deutschen Entwicklungshilfe in Guatemala und einer möglichen Unterstützung seitens der Botschaft/GIZ bei der Verwirklichung von Hilfsprojekten deutscher gemeinnütziger Hilfseinrichtungen in Guatemala.

Die deutsche Entwicklungshilfe in Guatemala ist fast ausschließlich in landwirtschaftlichen Projekten gebunden. Dies schließt aber nicht aus, im Einzelfall von der Deutschen Botschaft und der GIZ logistische oder finanzielle Unterstützung auch für Bildungsprojekte in Guatemala zu erhalten. Unter dem neuen Deutschen Botschafter, SE Matthias Sonn, haben sich die Bereitschaft zur Kooperation und die Kontakte der Deutschen Botschaft mit privaten Hilfseinrichtungen deutlich verbessert. In der von der Deutschen Botschaft veröffentlichten Broschüre „Juntos Creando el Futuro – La Cooperación Alemana en Guatemala – sind alle deutschen Hilfseinrichtungen ,die Hilfsprojekte in Guatemala verwirklichen, aufgeführt und beschrieben, was auch den Kontakt zu anderen deutschen Hilfseinrichtungen ermöglicht. Außerdem führt die Deutsche Botschaft Treffen mit den Hilfseinrichtungen durch und hat sich eine Intensivierung der Kontakte zum Ziel gesetzt. Seit der Abberufung des damaligen Deutschen Botschafters SE Dr. Peter Linder, der auch unsere Stiftung z.B. durch Präsenz bei Einweihungsfeiern in Sumalito vorbildlich unterstützt hat, wieder ein hoffnungsvolles und motivierendes Zeichen.

Die Vertreter der Deutschen Botschaft konnten mir auch wertvolle Hinweise zu einem von der EU unterstützten Forschungsvorhaben geben, das die Bekämpfung einer gefährlichen Pilzkrankheit bei Kaffeepflanzen zum Ziel hat. Ich konnte diese Hinweise  an unseren Partner Agros weitergeben, der in der von unserer Stiftung unterstützten Ixil-Region im Norden von Guatemala den Kaffeeanbau koordiniert. Ein orangefarbener Pilz („Roya“) wütet auf den Kaffeefeldern zwischen Panama und Mexico. In Guatemala sollen bis zu 70% der Kaffeepflanzen von dem Rostpilz befallen sein. Der Pilz befällt die Blätter der Kaffeepflanzen und schneidet die Kaffeekirschen von der Nährstoffversorgung ab, so dass die Kirschen vertrocknen. Befallene Kaffeesträucher müssen gefällt und verbrannt werden. Die Ernteeinbußen betragen in Guatemala bis zu 50%, was für die campesinos und ihre Familien, denen in guten Jahren sowieso nur ein Jahreseinkommen von 500 – 700 USD zur Verfügung steht, katastrophale Folgen hat.

Das EU-Forschungsprojekt versucht, befallene Kaffeepflanzen ohne chemische Mittel „zu retten“. Das Forschungsvorhaben ist auch deshalb von großer Bedeutung, weil die Aufzucht pilzresistenter Kaffeepflanzen erst begonnen hat (auch in dem von La Sonrisa errichteten Ausbildungszentrum Centro Ixil in Nebaj werden derzeit 25.000 neue Kaffeepflanzen gezüchtet) und ein Kaffeestrauch erst nach 3 – 4 Jahren ausreichend Früchte trägt. Wenn unsere Stiftung eine deutsche Forschungseinrichtung oder Universität für das Forschungsvorhaben gewinnen könnte, wäre auch eine finanzielle Unterstützung des Forschungsvorhabens durch La Sonrisa denkbar.

 Weitere Zusammenarbeit mit der Fundación Agros Guatemala

Die Fundación Agros ist für unsere Stiftung ein wichtiger Kooperationspartner in der Region Ixil im Norden von Guatemala im Grenzgebiet zu Mexico. Die von dem deutschstämmigen Sr. Alfred Kaltschmitt gegründete Fundación Agros hat das Ziel, in der Region Ixil Familien und ländliche Gemeinden durch Landzuteilung, Beratung und Schulung in der landwirtschaftlichen Produktion zu unterstützen (Anbau von Mais, Kartoffeln und vor allem von Kaffee). Agros kauft den Rohkaffee  auf und vermarktet den Kaffee in den USA. Im Rahmen von Dorfentwicklungs- und Bildungsprogrammen erfolgt eine Zusammenarbeit von Agros mit der Kindernothilfe und unserer Stiftung.

Die Zusammenarbeit mit Agros war von Anfang an schon wegen der unterschiedlichen Struktur von La Sonrisa als gemeinnütziger Stiftung und Agros als NPO-(eher FPO-)Organisation amerikanischer Prägung sehr schwierig. Beim Besuch des Vorstands im Büro von Agros in Guatemala City ergab sich überraschend, dass die gesamte Führungsebene von Agros kurzfristig gewechselt hat. Dies hat die Verhandlungen über eine weitere Zusammenarbeit sehr erschwert. Mit den neuen Verantwortlichen von Agros konnte jedoch die Basis für eine Verlängerung der Kooperation bis 2017/2018 geschaffen werden, die Folgendes umfasst:

  •  Betreuung der Schuleinrichtungen von La Sonrisa mit Internat Casa Angela in Sumalito;
  • Organisatorische Durchführung des Stipendienprogramms unserer Stiftung für ein Studium von Jugendlichen aus Sumalito an der Universidad del Valle in Sololá;
  • Unterhaltung und Betrieb des von La Sonrisa errichteten Ausbildungszentrums Centro Ixil in Nebaj;
  • Kooperation bei Dorfentwicklungs- und Bildungsmaßnahmen in der Ixil-Region mit KNH und unserer Stiftung.

Projekt Casa del Niño in Jocotenango

Unsere Stiftung hat für die Asociación Casa del Niño (CANi) in Jocotenango in der Nähe von Antigua letztes Jahr eine Grundschule für Kinder aus armen Bauernfamilien errichtet. Die Schule ist jetzt staatlich anerkannt und wird von fast 100 Kindern besucht (mit steigender Tendenz). Eine sehr gute Investition unserer Stiftung. Folgekosten entstehen für La Sonrisa nicht.

Zum Projekt Casa del Niño gehört auch die Finca Santa Barbara, in der praktische Berufsausbildungskurse (vor allem Schreinerei und Schmiedekunst) angeboten und durchgeführt werden. Ich habe das Berufsausbildungsprojekt und die Schreinerausbildung besucht und war beeindruckt vom Lerneifer der Jugendlichen (etwa die Hälfte Mädchen). Unsere Stiftung wurde um Unterstützung beim weiteren Ausbau der Werkstätten gebeten. Eine Förderung kommt aber aus finanziellen Gründen allenfalls dann in Betracht, wenn damit auch Berufsausbildungsmaßnahmen für die Straßenkinder in San Miguel Petapa und evtl. des Projekts ADUS verbunden werden können.

Kooperation in der Berufsausbildung – Projektpartner Fidesma Apoyos (Fidesma) und Nuestros Pequeños Hermanos (NPH)

La Sonrisa fördert seit 2014 eine Kooperation in der Berufsausbildung zwischen Fidesma und NPH in der Provinz Chimaltenango. NPH unterhält in Parramos eine vorbildliche Waisenhauseinrichtung mit modernen Kindergarten- und Schuleinrichtungen sowie sehr gut ausgestatteten Werkstätten für die Berufsausbildung der Waisenkinder. Fidesma führt im 6 km entfernten San Andrés Itzapa mit einfachen Mitteln, aber sehr effektiv, Berufsausbildungskurse für arbeitslose Jugendliche durch. Unsere Stiftung hatte in 2014 getrennten Förderanträgen von NPH und Fidesma im Interesse einer Verbesserung und Konzentration der Berufsausbildung nur unter der Voraussetzung zugestimmt, dass eine gemeinschaftliche Berufsausbildung erfolgt.

Beim Besuch des Vorstands von La Sonrisa in Parramos erfolgte die vereinbarte Evaluierung. Nach intensiven Gesprächen mit der Leitung von NPH und Sra. Caté von Fidesma sowie dem Besuch der Werkstätten, in denen gerade die geförderte praktische Berufsausbildung in der Schreinerei, Bäckerei und Näherei stattfand, wurde der Verlängerung der Kooperationsvereinbarung zugestimmt. Der Förderbeitrag unserer Stiftung wurde wegen Kostensteigerung und dem Ausbau der Berufsausbildung gegenüber 2014 um 50% erhöht.

Radioschulfunk-Projekt in Tacaná/Provinz San Marcos

La Sonrisa fördert dieses Projekt (montags bis freitags Unterricht per Radiofunk durch Radio Asunción, samstags Unterricht in dezentralen Bildungsstätten) seit 2010, zuletzt mit 25.000 € jährlich. Unsere Stiftung hat zusätzlich die Zahl der Wochenendbildungsstätten von 4 auf 17 mit einem Kostenaufwand von rd. 50.000 € erhöht, weil zunächst viele Frauen und Mädchen auf dem Weg zu den weit entfernten Bildungsstätten überfallen und vergewaltigt worden waren. Bei meinem Besuch im März 2015 wurde die am weitesten von Tacaná entfernte Wochenendbildungsstätte in Los Andes, direkt an der Grenze zu Mexico, als 17. Stützpunkt feierlich eingeweiht. Die Verantwortlichen des Projekts und die Jugendlichen dankten La Sonrisa sehr herzlich für die neue Einrichtung „am Ende der Welt“.

Die Kindernothilfe möchte mit unserer Stiftung im Rahmen einer neuen Kooperationsvereinbarung ab 2016 eine weitere Förderung des Radioschulfunkprojekts für 2 – 3 Jahre vereinbaren und hat La Sonrisa die zusätzliche Förderung einer geplanten Ausdehnung des Radioschulfunkprojekts auf besonders arme und abgelegene Dörfer im Grenzgebiet zu Mexico (Richtung Huehuetenango) angetragen. Der Stiftungsrat von La Sonrisa wird in der nächsten Stiftungsratssitzung über die Förderanträge und den Umfang der Förderung des Radioschulfunk-Projekts ab 2016 entscheiden, wobei der Vorstand jedenfalls eine Verlängerung der bisherigen Förderung bis 2017/2018 befürworten und vorschlagen wird.

Entwicklung der Bildungsstrukturen in der Ixil-Region – Neubau und Sanierung von Grundschulen – zentrale Schuleinrichtungen mit Internat Casa Angela von La Sonrisa in Sumalito – praktische Berufsausbildung im Centro Ixil in Nebaj – Stipendienprogramm für ein Studium von Jugendlichen der Schuleinrichtungen in Sumalito an der renommierten Universidad del Valle in Sololá

Die scheinbar hoffnungslose Situation in der abgelegenen Ixil-Region (benannt nach den dort lebenden Ixil-Maya-Nachfahren) im Norden von Guatemala und ein Hilferuf der Kindernothilfe waren letztlich der Anlass für die Gründung der Stiftung La Sonrisa de los Niños am 27.11.2007. Der damalige Vorstandsvorsitzende der Kindernothilfe in Duisburg hatte mich persönlich angesprochen und um Hilfe für die vom langjährigen Bürgerkrieg (1960 – 1996) zerstörte Infrastruktur in der Ixil-Region gebeten. Die Bewohner von Sumalito und benachbarter Bergdörfer waren nach grausamen Massakern über die Grenze nach Mexico geflohen und erst Anfang 2000 in ihre zerstörten Dörfer zurückgekehrt. Die Kindernothilfe hatte begonnen, im Rahmen eines Dorfentwicklungsprogramms wieder die Grundlagen für dörfliche Gemeinschaften zu schaffen. Es gab nur Behelfshütten ohne festen Boden, kein Wasser, keinen Strom, keine befahrbaren Straßen, keine nutzbare landwirtschaftliche Flächen und praktisch keine Grundschulen mehr. Die dringliche Bitte der Kindernothilfe war, zu versuchen, in der Ixil-Region das Schul- und Bildungswesen wieder aufzubauen.

Die Erkenntnis, dass eine derartige Herausforderung – wenn überhaupt – nur mit einer starken Gemeinschaft und ausreichendem Startkapital bewältigt werden konnte sowie tiefgreifende persönliche Erlebnisse im Bürgerkrieg in Guatemala haben mich dann veranlasst, die gemeinnützige  Stiftung des bürgerlichen Rechts La Sonrisa de los Niños zu gründen. Stiftungsrat (10 Mitglieder) und Vorstand von La Sonrisa waren sich von Anfang an darin einig, dass nur ein Konzept aus Grundschulbildung, zentraler Oberschule mit Internat für Mädchen und Jungen aus benachbarten abgelegenen Bergdörfern und anschließenden Möglichkeiten einer Berufsausbildung für die Jugendlichen zum dem Ziel führen konnte, Kindern und Jugendlichen der Ixil-Region eine echte Zukunftschance auf ein traditionsbewusstes, aber selbstbestimmtes und menschenwürdiges Leben zu ermöglichen..

Mit dem Neubau zahlreicher Schulräume für Grundschulen (zuletzt 2015 in Ixtupil), der Errichtung und dem Betrieb einer zentralen Oberschule (2009) und des Internats Casa Angela (2010, für 45 Mädchen und Jungen im Alter von 11 – 15 Jahren), der Errichtung des Ausbildungszentrums Centro Ixil in Nebaj (2012/2013) und einem Stipendienprogramms (ähnlich Bafög) für ein Studium der Absolventen unserer Oberschule in Sumalito an der renommierten Universidad del Valle in Sololá konnte bis heute ein erster wichtiger Schritt bei der Verwirklichung unserer Zielvorstellungen erreicht werden. Ich danke herzlich allen Spendern und Sponsoren, die hierfür mehr als 500.000 Euro gespendet haben.

Durch die feierliche Einweihung von 3 neuen Schulräumen bei meinem Besuch im März 2015 in Caserio Union Ixtupil und im Hauptort Ixtupil (ca. 45 km und 3,5 Autostunden von Nebaj entfernt) konnte die Schulraumsituation in Ixtupil entscheidend verbessert werden. Es wurden drei große, helle und standfeste Schulräume geschaffen, die von den Kindern begeistert in Besitz genommen wurden. Die Bevölkerung von Ixtupil ist besonders arm, aber sehr freundlich und dankbar für unsere Hilfe. In Ixtupil konnte ich auch wieder erfolgreich für den Besuch unserer Schuleinrichtungen und des Internats Casa Angela werben, schon jetzt kommt eine große Zahl von Mädchen aus Ixtupil in unser Internat nach Sumalito. In Gesprächen mit Eltern (mit freundlicher Übersetzung in Ixil-Maya durch die junge Elena) war deutlich die Bereitschaft spürbar, den Kindern die Zukunftschance in Sumalito zu ermöglichen. Insgesamt ist die Förderung von Ixtupil für La Sonrisa ein großer Gewinn.

Erfreulich war auch der Besuch unserer Schuleinrichtungen in Sumalito. Die von uns im Jahr 2009 errichtete Oberschule (für bis zu 110 Schüler) hat derzeit 90 Schüler (davon 60 aus Sumalito und ortsnahen anderen Caserios sowie 30 Schüler aus dem Internat Casa Angela).

Im Internat Casa Angela sind derzeit 18 Mädchen im Alter von 12 – 15 Jahren (Tendenz steigend). Das Internat würde Plätz für 22 Mädchen bieten. Da die Zahl der Jungen im Internat aus verschiedenen Gründen stagniert, könnte erwogen werden, das Internat ausschließlich für Mädchen zu nutzen. Dies war eigentlich auch von Anfang an so vorgesehen, weil wir gezielt vor allem Mädchen fördern wollten, die auch heute noch in der Ixil-Region krass benachteiligt sind und als minderwertig behandelt werden. Der Bau des Internats wurde damals aber nur „genehmigt“, wenn wir auch 23 Plätze (d.h. ein Platz mehr als für Mädchen)  für Jungen bereitstellen.

Die Mädchen und Jungen im Internat sind sehr freundlich und aufgeschlossen. Sie sind dankbar für die Aufnahme in das Internat und die Möglichkeit, durch Bildung und spätere praktische Berufsausbildung oder sogar ein Studium ein ganz anderes, selbstbestimmtes Leben führen zu können. Die Tutorin Maria Fernandez leistet hervorragende Arbeit und ist für die Mädchen weit mehr als Tutorin und Aufsichtsperson. Die Stimmung im Internat (auch zwischen Mädchen und Jungen) ist sehr gut. Auch bei meinen persönlichen Gesprächen mit den Mädchen wurden mir keine Probleme hinsichtlich Unterbringung, Verpflegung und Transport zu den Heimatdörfern sowie dem Besuch der Oberschule mitgeteilt.

Das Internat Casa Angela wird weiterhin ein fester und bevorzugter Bestandteil unserer Hilfstätigkeit in Guatemala bleiben.

 Bestandteil des Besuchsprogramms bei Projektreisen von Verantwortlichen unserer Stiftung ist stets auch das Ausbildungszentrum Centro Ixil von Agros in Nebaj/Ortsteil Paraiso. Unsere Stiftung hat das Centro Ixil als „Berufsausbildungseinrichtung“ in 2012/2013 mit hohem Kostenaufwand für Agros errichtet. Das Centro Ixil hat immer noch Anlaufschwierigkeiten und bietet derzeit einen bachillerato-Schulabschluss an. Ergänzend werden praktische Ausbildungskurse in der vorhandenen Schreinerei, herreria (Schmiedekunst) und panaderia (Bäckerei) sowie für Informatik, Web-/Textilarbeiten und Pflanzen-/Tierzucht durchgeführt. Im Bereich der Pflanzenzucht hat das Centro Ixil bereits einen hervorragenden Ruf durch Züchtung pilzresistenter Kaffeepflanzen. Ab 2016 soll die staatliche Anerkennung als Berufsausbildungseinrichtung vorliegen und den Absolventen des bachillerato-Jahrgangs dann eine vollständige praktische Berufsausbildung ermöglichen. Voraussichtlich ab Mitte des Jahres 2015 wird unsere Stiftung auch für Schüler aus Sumalito samstags im Centro Ixil praktische Fortbildungskurse für handwerkliche Arbeiten sowie Pflanzenzucht (Verbesserung der Anbaumethoden, Schutz der Kaffeepflanzen vor der gefährlichen Pilzkrankheit) und corte confección (Web-/Textilarbeiten) fördern. Trotz der Anlaufschwierigkeiten ist das Centro Ixil, das ganz wesentlich durch Spenden der Euwax-Stiftung, Bietigheim-Bissingen, finanziert wurde, eine sehr sinnvolle Investition, um Jugendlichen der Ixil-Region eine berufliche Zukunftschance zu ermöglichen.

Ein Höhepunkt meiner Projektreise war der Besuch der Studenten aus Sumalito in Sololá. Seit Februar 2015 nehmen 5 Studentinnen im Alter von 15–18 Jahren und 5 Studenten im Alter von 16–20 Jahren unser Stipendienprogramm in Anspruch und studieren an der renommierten Universidad del Valle in Sololá. Wir wurden von der Universitätsleitung und mehreren Professoren sowie den Studenten herzlich empfangen und über das Studium, die begleitenden sonstigen Aktivitäten sowie die Eindrücke und Probleme der Studenten in einem ausführlichen Gespräch und mit Videofilmen umfassend informiert. Das Studium umfasst zunächst ein zweijähriges Grundstudium (Bachelor-Abschluss) mit Schwerpunkt Mathematik, Spanisch (was den Studenten aus Sumalito Probleme bereitet, weil dort nur Ixil-Maya gesprochen wird und die Kinder erst in der Schule Spanisch lernen), Landwirtschaft, Naturwissenschaften, Wirtschaft und Tourismus. In der Regel schließt sich ein 2–3 jähriges Spezialstudium in 8 verschiedenen Fachbereichen (Ingenieurwesen, Maschinenbau, Landwirtschaft, Naturwissenschaften, Tourismus, Wirtschaft, Accounting, corte confección /Web- und Textilverarbeitung) an.

Die Studenten aus Sumalito haben sich inzwischen an der Universität etabliert, die Studenten des 1. Jahrgangs 2014 helfen den neuen Studenten, sich in der fremden Umgebung und im Umgang mit konkurrierenden, teilweise besser vorgebildeten Studenten aus städtischen Gebieten von Guatemala besser einzugewöhnen. Eine sehr freundliche, hilfsbereite und homogene Gruppe von Studentinnen und Studenten aus Sumalito.

Ich habe die Studenten gebeten, in Sumalito und in ihren Heimatdörfern für das Studium in Sololá zu werben und außerdem angeregt, den Videofilm der Universität für Werbezwecke in der Ixil-Region zur Verfügung zu stellen. Hintergrund ist, dass wir aufgrund der Schülerstruktur in unseren Schuleinrichtungen in Sumalito für 2016 derzeit noch relativ wenige Studieninteressierte haben und vor allem bei den Mädchen große Befürchtungen wegen der Lebens- und Studienbedingungen in der größeren Stadt Sololá (auch Touristengegend am Atitlansee) bestehen. Für 2017 ist dann mit mindestens 10 Studienbewerbern zu rechnen, so dass wir dann wieder die geplante Zahl von 5–6 neuen Studenten jährlich erreichen würden. Objektiv sind sicherlich 10 Studenten an der Universität del Valle für den von unserer Stiftung ab 2009 begonnenen Wiederaufbau der zerstörten Bildungseinrichtungen in der Ixil-Region ein sehr großer Erfolg. Ich glaube ganz sicher an eine erfolgreiche Zukunft des Stipendienprogramms und danke besonders dem Förderkreis „ReWoSchmiWäLemBrukScha“ für die Aufbringung des Stipendienfonds.

 Sanierung und Neubau von Grundschulen in der Provinz Chimaltenango nach zwei schweren Erdbeben in den Jahren 2012 und 2013

Die Stadt San Andrés Itzapa ist finanziell nicht in der Lage, nach zwei schweren Erdbeben beschädigte oder zerstörte Grundschulen im großflächigen Stadt-/Gemeindegebiet wieder für den sicheren Schulbetrieb bereit zu stellen. Sie erhält auch keinerlei staatliche Unterstützung. Unsere Stiftung hat bereits Ende 2013 mit der Sanierung und dem Wiederaufbau von Grundschulen begonnen. Bei meinem Besuch im März 2015 sollten weitere vier Grundschulen wieder feierlich eröffnet werden.

Ein sonniger Tag mit eigentlich sehr positiven und emotionalen Erwartungen. Aber irgendwie war mir nicht zum Feiern zumute. Die Bilder im Fernsehen und in der Morgenpresse vom schrecklichen Germanwings-Flugzeugunglück am Vortag gingen mir nicht aus dem Sinn. Zwar habe ich die traditionellen Feierlichkeiten und das Abspielen der deutschen Nationalhymne  mit Schweigeminuten zum Gedenken an die Opfer des Flugzeugunglücks verbunden. Echte Freude kam bei mir aber trotz der Begeisterung der Kinder, dem herzlichen Empfang und der großen Dankbarkeit der Bevölkerung nicht auf. Trotzdem: Mit dem Sanierungsprogramm für Schulen nach den Erdbeben haben wird Großartiges geleistet. Unsere Stiftung hat in der Region San Andrés Itzapa/Chimaltenango einen hervorragenden Ruf und ist Inhaber des goldenen Schlüssels der Stadt Itzapa. Der Bürgermeister von Itzapa war bei allen Einweihungsfeiern anwesend und hat die besondere Bedeutung der Hilfe unserer Stiftung in eindrucksvollen Reden hervorgehoben. Natürlich wurden wir auch um weitere Hilfe gebeten, dies hat aber in meinem Bewusstsein an diesem Tag keine Rolle gespielt.

 Straßenkinderprojekte

 Ein besonders schwieriger Tag war der Besuch unseres Straßenkinderprojekts in San Miguel Petapa und des Projekts ADUS in Jocotenango, für das ein neuer Förderantrag vorliegt (ebenfalls Straßenkinderprojekt, präventive Schul- und Bildungsmaßnahmen zur Verhinderung der Bildung krimineller Jugendbanden).

Seit 2011 fördert unsere Stiftung ein Straßenkinderprojekt im Süden von Guatemala, im Ortsteil Cerro von San Miguel Petapa. Das Straßenkinderprojekt ist in das KNH-Projekt ACEDIF (El buen semprador, Der gute Sämann), eine Ganztagesschule im Zentrum von San Miguel Petapa, integriert, allerdings nicht in das Patenschaftsprogramm von KNH einbezogen.

KNH wird die langjährige Projektförderung für ACEDIF definitiv Ende 2015 beenden. Es konnte zwar jetzt wohl sichergestellt werden, dass der Schulbetrieb ab 2016 – wenn auch mit eingeschränktem Leistungsangebot – mit Hilfe der Katholischen Kirche fortgeführt werden kann. Dies gilt aber nicht für das Straßenkinderprojekt. Wenn unsere Stiftung das Straßenkinderprojekt nicht selbst fortführt, wären die Straßenkinder völlig ohne Hilfe und würden wieder den Jugendbanden schutzlos ausgeliefert sein. Dies wäre besonders tragisch und menschenunwürdig, weil in Petapa zwei besonders gewalttätige Jugendbanden, die maras 18 und die alteingesessenen maras salvatruchas, täglich blutige Bandenkriege austragen und die Gewalt eskaliert ist. Ältere Mädchen werden auf offener Straße und in öffentlichen Bussen überfallen, misshandelt und vergewaltigt, Jungen und Mädchen zu Drogendiensten gezwungen. In unserer Zufluchtsstätte Monte Sinai im Ortsteil Cerro ist seit einiger Zeit kein Unterricht mehr möglich, die von uns betreuten Straßenkinder erhalten im Projekt ACEDIF im 5 km entfernten Zentrum von Petapa Unterricht, sind dort allerdings nur geduldet. Monte Sinai ist noch Betreuungsstelle und Suppenküche für die Straßenkinder. Die Leiterin, deren Ehemann von den maras salvatruchas ermordet worden ist, leistet dort unter ständiger Bedrohung aufopferungsvolle Hilfe.

Wir dürfen die Straßenkinder nicht im Stich lassen. Ich werde deshalb den Stiftungsrat von La Sonrisa um Zustimmung zu folgendem Hilfsprogramm bitten:

Das Straßenkinderprojekt wird jährlich wie bisher mit einem Festbetrag unterstützt (Betreuungsleistungen in Monte Sinai, Unterricht für alle Straßenkinder im Projekt ACEDIF, Unterbringung jüngerer Mädchen in Betreuungsfamilien). Darüber hinaus werden im Projekt ACEDIF im Zentrum von San Miguel Petapa für zunächst 50 Mädchen ab 12-14 Jahre Berufsausbildungskurse eingerichtet (einschl. Anschaffung von Nähmaschinen, Webstühlen und kleineren Maschinen/Werkzeugen), und zwar in den Fachbereichen corte confección (Web- und Textilarbeiten),  panaderia (Bäckerei), belleza (z.B. Friseurhandwerk), computación, herreria (filigrane Schmiedekunst) und artesania (Kunsthandwerk). Sofern ein sicherer Transport für die Straßenkinder organisiert werden könnte, bestünde im ca. 40 km entfernten Jocotenango auch die Möglichkeit, weitere handwerkliche Ausbildungsmaßnahmen (u.a. Schreinerei) durchzuführen. Den zusätzlichen Kostenaufwand schätze ich für 2015 wegen der Kosten der Ersteinrichtungen auf ca. 10.000 – 12.000 €. Die Finanzierung ist noch offen, zumal für unsere Stiftung aufgrund der drastischen Verschlechterung des Wechselkurses Euro/USD/Quetzales bereits in 2015 ein um rd. 40% höherer Mittelbedarf für die Finanzierung der laufenden Projekte entstehen wird.

Ein mögliches neues Hilfsprojekt unserer Stiftung ist ein Straßenkinderprojekt von ADUS (Asociación Dejando Una Sonrisa) in Jocotenango (ca. 5 km von der ehemaligen Hauptstadt  Antigua entfernt). Im Raum Antigua bilden sich derzeit kriminelle Strukturen, initiiert von den maras salvatruchas. Die kleine Organisation ADUS versucht mit ehrenamtlichen Helfern (auch Streetworker) sowie Schul- und Berufsausbildungsmaßnahmen präventiv auf die Jugendlichen einzuwirken und dadurch die Bildung von Jugendbanden zu verhindern. Der ursprüngliche Förderantrag an La Sonrisa war unrealistisch hoch. Bei meinem Besuch wurde die Struktur der Fördermaßnahmen eingehend besprochen. Inzwischen liegt ein neuer Förderantrag über 78.000 Quetzales (rd. 10.000 €) vor. Ich habe die Verantwortlichen von ADUS bei meinem Besuch gebeten, die geplanten Berufsausbildungsangebote mit der von La Sonrisa unterstützten Einrichtung CANI; die Berufsausbildungskurse durchführt, abzustimmen und ggfs. zu koordinieren. Auch die Finanzierung dieses Projekts wäre noch nicht gesichert. Der Stiftungsrat von La Sonrisa wird in der nächsten Stiftungsratssitzung über die Projektförderung entscheiden.

 Fazit

 Unsere Stiftung hat sich in Guatemala einen sehr guten Ruf erworben und wird hoch geschätzt, auch deshalb, weil wir stets ein vertrauensvoller Partner sind, die kulturelle Eigenständigkeit und Wertigkeit der indigenas achten und keine falschen Erwartungen wecken.

Wir sind mit unserer Hilfstätigkeit in Guatemala auf einem guten Weg, was nicht bedeutet, dass wir nicht über die strukturelle Ausrichtung unserer Hilfstätigkeit nachdenken müssen, auch wegen der drastischen Verschlechterung des Wechselkurses und der finanziellen Rahmenbedingungen.

Ungeachtet dessen werde ich dem Stiftungsrat von La Sonrisa vorschlagen, nochmals in einem finanziellen Kraftakt die Straßenkinderprojekte in San Miguel Petapa und Jocotenango zu verwirklichen. Dabei hoffe ich auch auf die Unterstützung unserer treuen Spender, denen ich nochmals sehr herzlich für das uns entgegen gebrachte Vertrauen und die große Spendenbereitschaft danke.

Köngen, 15. April 2015

Peter Wochinger
(Vorstand der Stiftung La Sonrisa de los Niños)